Achim Riethmann hybridAchim Riethmann hybrid
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Achim Riethmann

"hYBriD"

13. Mai - 23. Juni 2017
Vernissage & Buchvorstellung am 12. Mai um 18 Uhr



"hYBriD" liest sich als eine Art Chiffre, ähnlich den oft codierten Titeln der Werke von Achim Riethmann. Gleichzeitig verweist die Kombination von Groß- und Kleinbuchstaben aber auch auf die allgemeine Bedeutung des Wortes „Kreuzung“ und „Mischung“. Hybridität ist ein vielseitig angewendetes Phänomen in Bereichen von Wissenschaft, Wirtschaft und Kultur und lässt neue Potenziale in den Interaktionsmechanismen unterschiedlichster Elemente entstehen. 

Durch verschiedene strategische Mittel implizieren auch die feingliedrigen Aquarelle Riethmanns einen hybriden Charakter. Die Detailgenauigkeit der Motive verweist auf eine realistische Darstellungsweise. Die medialen Vorlagen aus Zeitungen, Presse und Zeitschriften vermitteln in ihrer Ausschnitthaftigkeit jedoch bereits die Zwiespältigkeit  der Abbildung von „Realität“. Dies verstärkt sich vor allem durch das diskrepante Verhältnis von Raum und Fläche. Der Hintergrund bleibt leer. Gezeigt werden nur die zerlegten Körper der Figuren, die ohne einen klaren Anhaltspunkt im Raum existieren. Zu dieser künstlerischen Strategie sagt Achim Riethmann selbst: „Die  verwendeten Fragmente schaffen im Kontrast  zu nicht dargestellten Bildelementen sowohl inhaltlich als auch formell ein Spannungsfeld für thematische sowie räumliche Interpretationen. Ausnahmesituationen stellen in Ihrer Dramatik oft auch einen Wandel dar, von einem Zustand in einen anderen. Dieser Wechsel, dieser Moment des Entstehens aus etwas altem fasziniert mich. In meinen Arbeiten spielt diese Spannung zwischen dem Auflösen, dem Verschwinden und dem Kreieren die zentrale Rolle, sowohl in der Wahl meiner Motive, als auch in der Art der Darstellung."

Die Gesichter seiner Figuren werden anonymisiert: entweder, indem sie in Rückenansicht abgebildet, durch eine Maske oder Tuch verhüllt werden oder ganz verschwinden und nur eine weiße Fläche zurückbleibt.  Die Anonymisierung bewirkt die Überführung in einen allgemeingültigen Kontext. Die Bewegung der Bilder tritt in den Vordergrund. Die Figuren werden durch die konsequente Auslassung bildlicher Versatzstücke und ohne konkreten Situationszusammenhang zu einer dynamischen Ästhetik stilisiert. Es kann als Ausdruck von Kraft der Demonstrierenden gedeutet werden, was sich wiederum mit der griechischen Sinnebene von hybris als „Kraft“ in Verbindung bringen lässt. Achim Riethmanns Arbeiten werden damit zur allgemeinen Metapher existierender, notwendiger und möglicher Demonstrationen und Proteste, wodurch ein Raum von Assoziation und Reflexion eröffnet wird.

Die zunächst ästhetische Schönheit der feinen Aquarelle in sanfter Farbigkeit verflüchtigt sich im nächsten Moment zu ausdruckstarken Werken mit politisch prekären Sujets der Gegenwart. Die Scheinwelt einer „gestückelten Wirklichkeit“ wird erst auf den zweiten Blick entlarvt und verrät die politisierte Ästhetik. Die strategische Hybridität lässt Riethmanns Bilder in verschiedensten Kontexten verorten: als ästhetisches Objekt und politisches Statement. In der Konfrontation mit diesen divergenten Zusammenhängen, bleibt es dem Rezipienten selbst überlassen, die individuelle Wahrheit in der Ästhetik, Politik oder im "hYBriD" dessen zu finden.