AphrodisiacAphrodisiac
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Aphrodisiac

Gunnar Borbe, Henriette Grahnert,
Eric Keller,
Michael Klipphahn,

Tobias Köbsch, Ekkehard Tischendorf

21. April - 24. Mai 2018
Vernissage am 20. April

Die Ausstellung versteht sich als Bestandsaufnahme zeitgenössischer figurativer und abstrakter Positionen deren Künstlerinnen und Künstler eine innere Lust für und auf die Malerei verbindet. Die Herkunft dieses Drangs, die Sucht nach Farbe, der Geruch von Pigmenten und das Gefühl des Pinsels in der Hand, mag nicht einem aphrodisierenden Parfum, wie bei Patrick Süskind, entspringen; es mag tief in der Seele ruhen oder in einem zerebralen Winkel rumoren, wichtig ist nur – das Gefühl ist da.

Als weiteres vereinendes Element leben und arbeiten die sechs Künstlerinnen und Künstler alle in Dresden und stellen zum ersten Mal als Kollektiv zusammen aus. Dass Gunnar Borbes Medium nicht nur die Malerei ist, sondern auch die Fotografie, spiegelt sich in seinen Werken wieder. Meisterhaft fängt er das Spiel aus Licht, Schatten und Reflexion auf und schafft so virtuose Momentaufnahmen und Schnappschüsse. Seine Arbeit balanciert an der Grenze der Augentäuschung  und ist gekennzeichnet von einem intensiven Detailnaturalismus. Die Gemälde von Henriette Grahnert scheinen manchmal stark abstrakt, jedoch nicht immer. Sie jongliert gekonnt mit traditionellen Malereitraditionen und umschifft die klassische Abstraktion und konkrete Malerei sowie minimalistische Traditionen und Bad Painting, amerikanische Farbfeldmalerei und Pop Art. So schafft Sie es Gegensätzliches (und Widersprüchliches) zu vereinen.

Eric Kellers Bilder zeigen nicht nur Orte und Menschen, auch Stadt- und Landschaften sowie Porträts zählen zu seinen Motiven. Es geht dem Künstler jedoch nicht nur um die Illustration eines Ortes oder einer Person, sondern um das Aufzeichnen erlebter Momente, Stimmungen und Sequenzen. Während seine früheren Werke noch vergleichsweise detailreich und konkret waren, zeigen die jüngeren Arbeiten eine zunehmende Reduktion. Charakteristisch ist auch die „homogene Färbung“ seiner Bilder. Michael Klipphahns Bilder wirken wie ein eingelöstes Versprechen; so lässt er den Bruch zwischen virtuellen und realen Bildwelten bzw. -vorlagen sichtbar werden. Seine Arbeiten zeugen von einer surreale Überwirklichkeit des Malerischen, so dass der Betrachter sich fragen muss, ob er auf eine Hyperrealität oder ein Trompe-l’œil blickt. Mit seiner fotografischen bzw. filmischen Bildästhetik spielt Tobias Köbsch, wie andere Künstlergenerationen vor ihm, mit dem Prinzip Illusionismus, dem trügerischen Wirklichkeitsanschein. Doch zielt die technische Brillanz seiner gemalten oder plastizierten Tableaus nie auf täuschende Verführung in imaginäre Welten, sondern auf eine kritische Momentaufnahme des aktuellen Verhältnisses von Bild- und Weltbewusstsein. Ekkehard Tischendorf schafft Bildwelten in einem Spannungsfeld zwischen Traum und Fiktion, allegorischen wie gespenstischen Momenten und romantischen Motiven. Für den Künstler geht es dabei nicht um den Anspruch einer realistischen Abbildung der Alltagswirklichkeit. Statt die Realität abzubilden, schafft er eine ganz neue, seiner Imagination entsprungene Welt, mit eigenen Gesetzmäßigkeiten - wenn auch in Anlehnung an die Lebenswelt des Betrachters. Komposition, Kolorit und Farbauftrag erzählen ihre eigene Geschichte(n).

Liebe, Sehnsucht und Ektase waren immer beliebte Motive und Gegenstand in Kunst und Literatur. Über das Wesen der Aphrodite stritten sich schon Homer und Platon, über ihre Gestalt Botticelli und Rubens. Mindestens genau so lange hegen die Menschen eine Faszination dafür, in einem geliebten Menschen korrespondierende Gefühle auszulösen. Parallel versuchen Künstler seit je dieser Apotheose in Form einer Welt visueller und sensorischer Freuden und Verwünschungen zu reflektieren. Die Evelyn Drewes Galerie freut sich die inhaltliche Annäherung ihrer Künstler á jour und auf eine spannende Ausstellung.

(Nele Müller)