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"exchanging realities"

Alex Feuerstein (Koop. Galerie Burster, Berlin)
Li-Wen Kuo
Vernissage am 20. Juli, 18 - 21 Uhr
21. Juli - 31. August 2018



In der Ausstellung exchanging realities begegnen sich mit den Bildern von Alex Feuerstein und Li-Wen Kuo zwei individuelle malerische Sichtweisen. Sie setzen sich nicht nur in Dialog miteinander, sondern laden auch den Betrachter zur gemeinsamen Realitätsbefragung ein. Der Austausch öffnet einen Raum multipler Realitäten so wie umgekehrt die multiplen Realitäten einen Raum zum Austausch öffnen.

Alex Feuerstein nutzt abstrahierte Situationen, um den Betrachter auf die Suche nach Bedeutung, Assoziation und subjektive Wahrnehmung zu schicken. Zusammen mit der individuellen Erwartungshaltung und Prägung entsteht eine neue Variabel die einen unkalkulierbaren Spielraum schafft. Bei der Wahl seiner Motive interessiert den Künstler vor allem das Alltägliche - unspektakulär anmutende Momentaufnahmen und vage Erinnerungen ohne Kontext welche in ihrer Banalität eine gewisse Absurdität transportieren.

Diesen Szenerien fügt er regelmäßig „Requisiten“ hinzu, welche der Person im Bild attributhaft zugeordnet werden. In dem Anliegen eine Vorstellung zu projizieren, werden Bildobjekte mehr wie Symbole als konkrete Abbildung arrangiert. Und um allen Elementen seiner Vorstellung eine gleiche Wertigkeit zuzuordnen integriert Feuerstein sie malerisch im Ganzen ohne sich perspektivischen und logischen Begrenzungen unterzuordnen.

Wiederholt setzt der Künstler weiche, organische Texturen harten, monochromen Farbflächen entgegen. Ohne diesen eine hierarchische Gliederung zu geben, entsteht eine Verflechtung von Figur und Umgebung. Einen zentralen Teil seiner Arbeit stellt der Auftrag von Farbflächen dar und das Abtragen dieser Farbe durch Klingen, Malmessern und durch Schleifen der Oberfläche.  So entsteht - durch scharfe Ränder und weiche Strukturen zugleich - die Grundlage für Feuersteins mehrschichtige Malbeweise.

Li-Wen Kuo hängt einem starken Individualitätsbegriff an. Das Prinzip der Serialität ist ihrer Arbeit fremd. Selbst dort, wo man Variationen zu entdecken glaubt, ist jedes Bild aus sich selbst gewachsen, besitzt sein eigenes Kraftzentrum, das es organisiert. Dennoch speisen sich alle Bilder aus derselben Lichtquelle, die fast immer als Glanz an die Oberfläche tritt. Wo sie es nicht tut, ahnt man ihre hintergründige Gegenwart, als suche sie eine Stelle, um aus dem Bild hervorzubrechen. Mit Illusion hat dieser Schein nichts zu tun.

Was ist das Sichtbare, was ist das Unsichtbare? Looming nennt man im Englischen das schemenhafte Auftauchen eines Objekts. Weit entfernt oder durch Nebel gesehen. Schwer fassbar und von zweifelhafter Identität. Solche loomings ereignen sich in Kuos Bildern. Nicht immer sind das Verschwimmen der Kontur oder die Transparenz der Form für die Verunsicherung des Blicks verantwortlich. Es gibt etwas, das sich entzieht. Es liegt hinter der Fülle, die man sieht, verborgen.

Die Strenge der einzelnen Komposition korrespondiert mit einer Freisetzung des Bildgehalts. In ihrer grundsätzlichen Offenheit etablieren die Bilder ein Verhältnis zum Betrachter, das seinen Grund in sich selbst hat. Was Kuo mit ihrer Arbeit anstrebt, ist die Unerschöpflichkeit dieses Verhältnisses.