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Arno Beck

"Watchlist I/2018"


Vernissage am 26. Oktober, 18 - 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 27. Oktober - 21. November 2018

 

Artist Statement Arno Beck

In meinen Druckgrafiken und Malereien beschäftige ich mich mit Formen der digitalen Darstellung und der analogen Überführung dieser Bildwelten in den realen Bildraum. Grundsätzlich gehe ich von einer klassisch malerischen Haltung aus, die sich im Laufe der Zeit jedoch immer stärker zu einer konzeptuellen Auffassung einer post-digitalen Malerei weiterentwickelt hat. Ich bediene mich hierbei der Gesetzmäßigkeiten einer malerischen Bildsprache die sich jedoch nicht in klassisch malerischen Ausdrucksformen manifestiert. Ziel dieses Transformationsprozesses ist es der Flüchtigkeit von digitalen Eindrücken eine analoge Darstellungsform entgegenzusetzen, die physisch erfahrbar wird.

Die Oberflächenstruktur und Haptik spielt bei der Materialisierung der digitalen Vorlagen eine entscheidende Rolle. Die Bilder bewegen sich an der Schnittstelle virtueller Computerwelten und manueller, künstlerischer Ausdrucksformen. Das Zusammenspiel von Handgemachtem und Digitalem, versuche ich in verschiedenen Medien umzusetzen und zu bearbeiten. Analoge und digitale Darstellung durchdringen sich hierbei und meine Hand mischt sich gerade an dem Punkt ein, wo die Maschine ihren Kompetenzbereich für sich beansprucht.Durch die Handarbeit wird die Perfektion der Maschine untergraben und der „Fehler“ wird zum konzeptionell wichtige Bestandteil, der den Herstellungsprozess offen legt. Hierbei interessiert mich das Spannungsgefüge zwischen geplanter Ordnung und willkommenen Ausbrüchen aus einem statischen System, die einen lebendigen Farbraum erzeugen.

Die zeitaufwändige Umsetzung bei der Übertragung der Bilddaten ist ein weiterer wichtiger Aspekt meiner Arbeit. Die digitalen Bildwelten mit denen ich mich befasse, sind auf eine möglichst schnelle Rezeptionsgeschwindigkeit ausgelegt, die einen starken Kontrast zu dem recht mühsamen und komplizierten Arbeitsprozess bilden, der in meinen Bildern abzulesen ist. Hierbei ist auch wichtig, dass jedes Bild trotz der potenziellen Möglichkeit einer drucktechnischen Vervielfältigung nur einmal produziert wird. Die Flüchtigkeit des Digitalen wird mit der Aura des Unikats aufgeladen.

Bei den Holzdrucken fasziniert mich die spezifische Ästhetik dieser, in Verbindung mit den digitalen Motiven - insbesondere die Gegensätze der organischen Materialität und Haptik des Holzes im Kontrast zur kühlen, digitalen Cyberwelt des Bildschirms. Für die Drucke benutze ich 32 verschiedene Farben, die sich an der Farbpalette der 1998 verlegten Spielekonsole Gameboy Color orientieren. Die so entstandenen Mosaikdrucke konfrontieren eine Rasterästhetik der digitalen Perfektion mit den ungelenken Verschiebungen und Überlagerungen einer analogen Umsetzung. In der Serie der Schreibmaschinenbilder tippe ich die Motive unter der Verwendung verschiedener Buchstaben und Zeichen, Zeile für Zeile auf das Papier. Hierzu habe ich ein Darstellungskonzept entwickelt, das es mir ermöglicht durch die Überlagerung verschiedener Buchstabenkombinationen unterschiedliche Grauwerte zu erzeugen. Die Schreibmaschine wird somit zu einem Gestaltungswerkzeug umfunktioniert, das nicht mehr Textinformationen in vorgegebener Leserichtung auf einer zweidimensionalen Ebene aneinanderreiht, sondern einen Bildraum mit Tiefenräumlichkeit erzeugt. Das Werkzeug, das eigentlich dazu entwickelt wurde die Handschrift zu normieren bzw. den Rezeptionsprozess der Schrift zu beschleunigen wird nun als bildnerisches Gestaltungsmittel in einem bewusst verlangsamten Herstellungsprozess genutzt.

Hinsichtlich der Motivik verwende ich kontemplative Landschaften, die ich in möglichst naturalistischer Weise umsetze und mit grobpixeligen Elementen aus älteren Computerspielen überlagere. An der Grafik älterer Spiele interessiert mich vor allem, dass der einzelne Pixel als atomares, formgebendes Element noch spürbar ist und somit eine gewisse Distanz zum Betrachter herstellt, während heutige Darstellungsformen immer stärker auf Immersion und eine möglichst starke Nähe zum Bildgegenstand hin konzipiert werden. Die unterschiedlichen Darstellungsmodi existieren auf der Bildfläche in einem nahtlosen Nebeneinander und bilden eine neue Einheit vergleichbar mit einer Augmented Reality.

Insgesamt verstehe ich meine künstlerische Arbeit als einen performativen, handwerklichen Prozess der Umsetzung von Bildgegenständen, die aus einer Sphäre der beschleunigten Bildrezeption stammen. Hierbei versuche ich Darstellungstechniken und Motive miteinander zu verbinden, die eigentlich nicht zusammengehören. Durch diese Materialisierung und kontextuelle Verschiebung entsteht eine Atmosphäre der Gegensätzlichkeit, in der Flüchtigkeit und Kontemplation miteinander in Einklang gebracht werden.