Happy painting and God blessHappy painting and God bless
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Andreana Dobreva & Alexandre Karaïvanov

"Happy painting and God bless"

21. März – 30. April 2020

Die Künstler Andreana Dobreva und Alexandre Karaïvanov betiteln ihre gemeinsame Ausstellung mit einem Zitat des amerikanischen Malers und Moderatoren Bob Ross „Happy painting and God bless”. Dobreva und Karaïvanov könnten in ihrer Technik, Motivik und Thematik nicht unterschiedlicher sein. Von abstrahierten verträumten Portraits hin zu menschenleeren fotorealistischen Detaildarstellungen überdecken sie grundverschiedene Bereiche der flächigen Kunst. Ihre Gemeinsamkeit finden sie in ihrer Freude an der Kreation. Wie Bob Ross im Titel seiner TV-Show The Joy of Painting verrät, ist der Spaß und die Freude am Malprozess ihm von höchster Bedeutung, eine Eigenschaft, die auch die beiden Künstler ausmacht und verbindet. Ross‘ Verabschiedungsfloskel „I’d like to wish you happy painting and God bless, my friend!“ fungiert somit neben dem Titel, auch als Mantra der Ausstellung und betont das positive Gefühl der Künstler bei ihrer Arbeit.

Dunkle Hintergründe, düstere Gesichtszüge, dann plötzliche grelle Farben. Verzerrte Minen, rätselhafte Blicke, geheimnisvolle Szenerien. Andreana Dobrevas Arbeiten existieren in einer ganz eigenen Welt, die ihren individuellen Regeln zu folgen scheint. Der Betrachter braucht einige Augenblicke, um das Sichtbare einzuordnen. Die Künstlerin fängt Momente ein, die mal alltäglich, mal skurril anmuten oder auf eben dieser Grenze oszillieren. Ihre Portraits sind bestimmt von einem eigenen Farbschema, welches erdige dunkle Nuancen mit rosagelblichen Akzenten auf verstörende Art und Weise mischt. Nicht zu vernachlässigen ist auch die teilweise vorkommende ironische Komponente, welche den Werken eine völlig neue Bedeutungsebene zukommen lässt. Ebenso lässt die Künstlerin offen, wie sich die Szene zeitlich und räumlich verorten lässt. Kontrastierende Bildelemente erzeugen ein geheimnisvolles Moment. Die Künstlerin lässt den Betrachter willentlich im Unklaren. So werden wir zurückgelassen mit einer rätselhaften Faszination.

Alexandre Karaïvanov zieht ziemlich trashige Fotos als Vorlage heran: ausschnitthafte und zugleich voyeuristische Blicke in schmuddelige Zimmerecken, auf Nachttische, S-Bahn-Sitze, unter Waschbecken, in Geschirrspüler, Pissoirs. Manche Motive lassen an Tatort- oder Schadenfotos denken. Immer wird der Blitz draufgehalten und lässt das ohnehin Desolate in einem schalen und zugleich schonungslosen Licht erscheinen. Es stellt sich die Frage, ob solche motivische Schäbigkeit die Adelung durch den Aufwand und die Akribie, welche der Fotorealismus dem Künstler abverlangt, überhaupt verdient. Vertritt man anderseits die Ansicht, dass der Fotorealismus eine heikle Sache ist, weil die bis zur Manie reichende Fixierung auf das Handwerkliche den Künstler verleitet, sich um jeglichen Inhalt herumzumogeln, muss man Alexandre Karaïvanov eine arglistige Verdopplung von Inhaltsleere unterstellen. Dahinter kann aber nur ein künstlerisches Konzept vermutet werden. In den Buntstiftbildern erscheinen zwei Künstlertypen zugleich, derjenige, der uns die hässliche Seite vor Augen führt, unseren Blick auf das stößt, was wir lieber verdrängen oder im Verborgenen halten und derjenige, der sein Können unter Beweis stellen will, in einem hehren, traditionellen Sinn. Zwei gegensätzliche Kunstauffassungen prallen jäh aufeinander und werden doch auch vereint.