Hinterm HorizontHinterm Horizont
Previous Next

Robert Sturmhoevel

"Hinterm Horizont"


Vernissage am 08. Februar, 18 - 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 09. Februar - 29. März 2019

Zur Ausstellung erscheint das Künstlerbuch Hinterm Horizont.

Der Residenzaufenthalt ist für einen Künstler immer ein Wagnis. Sozusagen der Sprung ins Ungewisse. Ich habe es jedoch als Chance für einen Neuanfang wahrgenommen, 3 Monate in der Schwalm die weiten Ausblicke und häufigen Motive landschaftlicher Tradition der Romantik auf mich wirken zu lassen, oder vielmehr nach einer neuen Betrachtung meiner Erzählungen zu suchen. Einzig der Anlass für Narration – die „heterotopische Blase“ als Ausgangspunkt ist geblieben.

Eine von langer Hand geplante Studienreise nach Nevada (USA) konnte und wollte ich während meiner Residenz nicht aufschieben. Dem Reiz dieser weiten behäbigen, fast phlegmatischen Landschaften, die im völligen Kontrast zur Farbigkeit durch die einzigartigen Lichtverhältnisse stehen, konnte ich mich nicht entziehen. Und von allen besuchten Orten widerspricht Las Vegas einfach allem was man sich denken kann. Der ideale Ort, um ein narratives Vakuum zu beobachten und durch Fragmente und Verortungen zu verwandeln. Eine Stadt, die wie ein Fremdkörper in ihrer kargen zeitlosen Umgebung erscheint und einer nicht enden wollenden Metamorphose unterworfen ist. Dieser Ort bringt vergessene urbane Nischen hervor, die immer wieder für Neues weichen müssen und nie lange überdauern. Nicht zuletzt auch als Spielplatz zu begreifen, bei dem jegliche natürliche Vegetation als Parasit den künstlichen Lichtern in allen nur erdenklichen Farben weichen muss oder durch sie sogar ersetzt wird.

Wieder zurück in der Schwalm blieben die Eindrücke, für die ich bis heute keine Superlativen finden kann, noch lange an mir haften und beginnen sich mit neuen Erfahrungen zu vermischen. Ruhe, Gelassenheit und Leere trifft auf Reizüberflutung, Dekadenz und Maßlosigkeit und macht den Weg frei für malerische Ansätzen die zu einer Entschleunigung der Erzählungen beitragen und mich bis heute faszinieren.

 

Robert Sturmhoevel

 

 

Das Künstlerstipendium Willingshausen und ein Aufenthalt in Las Vegas in 2017 beeinflussen stark die Malerei von Robert Sturmhoevel. Farbpallette und Bildmotive lassen sich dabei schwer zwischen der Schwalm und Nevada verorten. Die scheinbar skurrile Kombination der Farbigkeit beider Orte - einerseits das eher satte Pflanzengrün und andererseits die gelbrötlichen Nuancen des Ödlands kombiniert Sturmhoevel mit verblüffender Leichtigkeit. Die Stimmung bleibt, wie schon bei seinen älteren Werken sehr dicht und intensiv. Die Natur bringt hier keine Entspannung, im Gegenteil. Dies scheint auch die logische Konsequenz zu sein, wenn wir uns die zwei Orte genauer anschauen. Die Schwalm war für die Brüder Grimm eine Märchen-Oase, in der sie viele düstere Geschichten sammelten. In Nevada befindet sich das zweitgrößte Waffen-Testgelände der Welt, sowie die sagenumwobene Area 51. So werden beide Gebiete, wie auch die von Sturmhoevels Protagonisten bespielten Stätten, zum Zufluchtsort für Liebhaber von ungeklärten Fällen. Sie sind Projektionsflächen vermeintlicher Erinnerungen und verblasster Vorahnungen. Irgendwo im nirgendwo,  zwischen Traum- und Filmsequenzen, ein wunderbares Bespiel für die Irrwege der Wirklichkeit. Durch die präzise Inszenierung werden sie in Sturmhoevels Werk zu einem Versteck voller Rätsel, Szenen mit vertrauten Kulissen dessen Geschichten vom Betrachter weitererzählt werden. Das Wort „Traumlandschaft“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Diese verlockende Beklemmung finden wir auch in seinen früheren Bildserien. Mit seinen neuen Werken schafft es Robert Sturmhoevel seinen Werkzyklus zu erweitern und der Intensität des Erzählens treu zu bleiben. Auch die neuen Maltechniken die er einsetzt sind hier kein Bruch, sondern eine folgerichtige Entscheidung und erfrischende Weiterentwicklung. Einen spannenden Einblick in den Arbeitsprozess geben seine Zeichnungen. Als Arbeitsskizzen offenbaren sie sein handwerkliches Können und bezeugen die Konsequenz der Ideenbildung.

 

Milen Krastev