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Torsten Ruehle

"lab I/2019"


Vernissage am 05. April, 18 - 21 Uhr
Ausstellungsdauer: 06. April - 07. Juni 2019

LINED

Torsten Ruehle filtert und liniert die Welt. Klassische Interieurs oder definierbare Räume dienen als Handlungsrahmen wie Filmkulissen, die einer klaren Regie entspringen. Eine leicht surreale Atmosphäre wird erzeugt, indem der Szenerie sonderbare Objekte hinzufügt werden, die ein Eigenleben zu führen scheinen. So sind Details mit unwirklichen Dimensionen installiert - Maschinen, Schaum, Wolken oder Figuren, deren Aktionismus erst auf den zweiten Blick erkennbar wird, wenn etwa zart gezeichnete Pfeile oder Wellen sichtbar werden. Die durch ihre Linierung auf den ersten Blick eher statisch wirkenden Bilder kommen dadurch in Bewegung – oder wenn einige Objekte gelegentlich lächeln oder schweben. Die Gegenwart erscheint als eine Montage modifizierter Wirklichkeiten. Durch die Gründung auf dicken Linien werden die Gegenstände in eine gewisse Abstraktion verschoben, die in farbiger wie weißer Fassung eine eigene Schwingung hervorbringt. In den Bildern liegt eine mit der Betrachtung wachsende Ruhe und Unruhe zugleich, die aus dem vielschichtigen Spiel der konturierten Form mit ihrem Inhalt und der farblichen Reduktion entspringt. Neben klassischer Ölmalerei und Zeichnung auf Leinen oder Fotografien sind Leuchtkästen ein wiederkehrendes Thema. Die aufwendig collagierten Lichtbilder führen das Thema der Linie fort, die hier meist ganz in Weiß in Erscheinung tritt. Wieder sind Linien prägendes Element seltsamer Konstellationen, ursprünglich handgemalt und nicht digital generiert. Dazu kommen Bearbeitungen von Fotografien, die in die ursprüngliche Motividee eingeflossen sind. Wie in den Ölbildern entsteht eine ganz besondere Spannung zwischen plastischen Bildinhalten und zweidimensionaler, artifizieller Linie; dazwischen liegt eine eigenartige und einzigartige Wirkung. Die Beleuchtung schafft über die Kästen hinaus Atmosphäre im Raum – die Linierung verschwimmt.

Emil Otto Nardorff