troytroy
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Sebastian Dannenberg, Christian Holtmann, Jochen Mühlenbrink, Daniel Wrede

"TROY"

March 25th - May 05th 2017
Opening: March 24th at 6pm

"TROY" ist ein Verweis auf die der griechischen Mythologie entsprungenen Sage um das Trojanische Pferd, das einst den griechischen Soldaten mit List und Strategie zum Sieg über ihre Gegner verhalf. "TROY" kann ebenso gut als Metapher auf die Kunstwelt übertragen werden. Denn neben dem Schaffensprozess und der Rezeption kreativen Guts beinhaltet die Kunst weitaus mehr, eine Art gesellschaftlichen Wert, eine Zugehörigkeit zu einem bestimmten Klientel und oft nur das Vorgeben, die Kunst in ihrer Tiefe ergründet zu haben. Dennoch ist der Titel bewusst offen gehalten. So könnte man ihn ebenso als Kombination von vier an einander gereihten Buchstaben deuten, die ähnlich wie die vier Künstler nebeneinander präsentiert werden, in ihrem Wesen ganz unterschiedlich sind, doch gemeinsam einen neuen Wert schaffen. "TROY" lässt Spielraum für Assoziationen und Interpretationen, ebenso wie die Arbeiten der vier Künstler, die eine Richtung vorzugeben scheinen und doch unbegrenzte Möglichkeiten der Rezeption erlauben.


Vier künstlerische Positionen mit ganz unterschiedlichen Darstellungsformen, Techniken und Konzepten. Und dennoch verbindet sie ein ironisches Spiel mit alltäglichen Gegebenheiten, trivialen Objekten und der Semantik unserer Zeit. Typografie und Symbole stehen im Zentrum der Malerei, Collagen und Installationen von Christian Holtmann und Sebastian Dannenberg. Sie setzen die uns täglich begleitenden Elemente aus Werbung, Medien und Popkultur in neue Kontexte. Daniel Wrede teilt die Auseinandersetzung mit Eigenschaften und Erscheinungen von Alltäglichem. Dabei widmet er sich weniger der Schrift und ihrer Bedeutung, als vielmehr den gegebenen Objekten unserer Lebenswelt. Der Künstler verändert ihr Erscheinungsbild und schafft mit der bewussten Ästhetisierung einen neuen Bedeutungsinhalt. Jochen Mühlenbrinks Malerei beinhaltet all diese Aspekte. Seine Bildsujets sind geprägt von Elementen des künstlerischen Alltags, in dem er beispielsweise Verpackungsmaterialien, Keilrahmen oder handelsübliches Klebeband fotorealistisch bis ins noch so kleinste Detail abbildet.

Sebastian Dannenberg beschäftigt sich mit den Grenzen und Möglichkeiten zeitgenössischer Malerei. Nur selten verwendet er klassische Bildträger. Vielmehr wird die Ausstellungswand, die Decke oder der Boden zum Malgrund seiner Werke. Dabei lässt er sich von den Gegebenheiten der Architektur inspirieren, hebt sie hervor und ergänzt sie mit plastischen Elementen. Seine übergroßen Worte in Spiegelschrift erinnern an die Ästhetik amerikanischer Billboard-Werbetafeln. Die ortsbezogenen Arbeiten verschwinden nach Ablauf der Ausstellung hinter den weißen Wänden der Galerie. So sind es Markierungen auf Zeit, die aber dessen ungeachtet eine besondere Präsenz und Intensität entfalten.

Christian Holtmann modifiziert Erscheinungen und Gegebenheiten aus einer uns bekannten Welt. Slogans, Smybole, Typografien aus Werbung und den Medien werden zum motivischen Kern seiner Werke. Oft sind es nur kleine Fetzen von Worten, einzelne Buchstaben oder Markensymbole die Holtmann aus ihrem Kontext herausreißt, in Collagen verarbeitet oder in Form von Malerei aus dem Bildträger einfriert. In diesen poppigen Zeilen, die durch den Künstler in ironischer Weise auf den Kopf gestellt werden und einem drastischen Transformationsprozess unterliegen, spiegeln sich Sehnsüchte, Erwartungen und Gefühle unserer Zeit. Die Auswahl seiner Bildbestandteile erfolgt intuitiv. Ein Bild muss aufgrund von Inhalt und Komposition sein Interesse wecken. Hat es genug Potential verwendet es Holtmann wieder und wieder. Eine Strategie hat er dabei nicht. Seine klare Botschaft lautet: Hier ist ein Bild und keine Antwort.

Auch Daniel Wrede beschäftigt sich mit der Umwertung und Transformation alltäglicher Gegebenheiten. Doch stehen bei ihm keine Buchstabenkombinationen oder Symbole im Zentrum seines künstlerischen Schaffens, sondern vielmehr die Erscheinungsformen und Eigenschaften von Materialien und Objekten. Erst durch die Hand des Künstlers, seinen bewussten Eingriff und sein Konzept wird das reine Material, ein gegebenes Objekt zur Kunst. Durch die intensive Auseinandersetzung mit dem Material, dessen Möglichkeiten und Assoziationen entwickelt sich eine neue Form. Achtam und behutsam geht Wrede mit den Dingen um, die gemeinhin als Abfall der kapitalistischen Gesellschaft zählen, erkennt deren ästhetische Qualität und sucht nach der Erfüllung des Gegenstandes in der Kunst. Dabei entstehen Kontextverschiebungen, fein und präzise, die sowohl humorvoll als auch tiefsinnig aud kunsttheoretische Diskursem gesellschaftliche Phänomene und persönliche Erfahrungen verweisen. Gerade im vermeintlichen Unsinn entfalten die Arbeiten ihre eigentlich erkenntnisstiftende Qualität.

Ebenso wie Daniel Wrede stehen für Jochen Mühlenbrink banale Dinge im Zentrum seines Schaffens. Führt Wrede eine Transformation der Bedeutung und äußeren Erscheinungsform dieser gegebenen Objekte herbei, setzt Mühlenrbink diese malerisch in Szene. Mit seinen Gemälden, auf denen er Luftpolsterfolie, die Kehrseite einer Leinwand, Kleberollen oder anderes Verpackungsmaterial für Kunstwerke motivisch in den Mittelpunkt rückt, verleiht er diesen, häufig in den Hintergrund rückenden Objekten, eine enorme Bedeutung. Durch die fotorealistische Umsetzung seiner Bildwelten sind es oft mehr Dinge als Bild. So lässt er uns auf die Rückseite von Gemälden blicken, stellt unser Verständnis von Kunst auf den Kopf und erklärt auch hier die Frage nach dem ästhetischen Wert eines Kunstwerks zum Diskurs.So ergibt sich als gemeinsamer Nenner der vier Künstler ihr ironischer Umgang mit Objekten, Gegebenheiten und Phänomenen, die uns täglich umgeben und denen nur selten ein ästhetischer Wert zugeschrieben wird. Durch den Einbezug in die Kunst gelingt so eine Transformation, eine neue Kontextualisierung und Ästhetisierung dieser banalen Dinge.